Beobachtungen aus der Praxis
Artikel des ausländischen Praktikanten über seine Praxis beim Collegium Bohemicum
23.11.2010 06:25, gelesen 372x |
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Seit dem 1. Juli diesen Jahres absolviere ich ein Praktikum am Collegium Bohemicum in Ústí nad Labem. Im ‚richtigen Leben’ Student der Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität zu Köln, habe ich vor einiger Zeit beschlossen, die Semesterferien im Sommer 2010 nicht mit dem Schreiben von Hausarbeiten zu verbringen, sondern außer Landes zu gehen und in die Arbeitswelt einer Institution einzutauchen, die sich um die tschechisch-deutsche Verständigung und den tschechisch-deutschen Austausch, an dem ich nun teilhaben kann, verdient macht.
Zwar wurde mein Wunsch, ein Auslandspraktikum speziell in der Tschechischen Republik anzutreten, dadurch gestärkt, dass ich zuvor bereits ein Auslandssemester in Prag absolviert hatte, gleichwohl erhalte ich nun Einblick in einen Kontext, in dem ich mich zuvor nicht ohne weiteres verortet hätte. Das aber bedeutet neben dem Erfahren einer fremden Kultur und Lebenswelt auch: viele neue und spannende Menschen, Inhalte und Zusammenhänge.
Da der Begriff „Praktikum“ von verschiedenen Arbeitgebern durchaus auch unterschiedlich ausgelegt wird, bin ich sehr froh, dass mir am Collegium Bohemicum die Möglichkeit gegeben wird, ebendiese Facetten eines breiten Arbeitsspektrums kennen zu lernen.
Meine Aufgaben fielen bis dato in die verschiedensten Bereiche. Gleich zu Beginn meiner Zeit in Ústí nad Labem konnte ich auf einer Leipzig-Reise, die vier tschechische Schulklassen im Rahmen des Projekts „Die Schule der Demokratie“ unternahmen, den Teilnehmern Wissenswertes über die Stadt – und insbesondere ihre Geschichte – nahe bringen.
Ferner durfte ich mich auf dem Gebiet der Pressearbeit und Homepagepflege üben und erhielt durch die Korrespondenz mit Projektpartnern einen Eindruck von der Arbeit, die das erfolgreiche Realisieren von Projektideen und -inhalten stets begleit, so etwa das Verfassen von Anträgen oder Berichten.
Sehr interessant war und ist, dass ich im Collegium Bohemicum die Möglichkeit erhalte, andere Institutionen auf dem Feld der tschechisch-deutschen Zusammenarbeit kennen zu lernen. So vermittelten mir Besuche im Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, im Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren, bei der Organisation Antikomplex oder auch im Außenministerium der Tschechischen Republik einen vielseitigen Einblick in die tschechisch-deutschen Beziehungen.
Des Weiteren verfasste ich Ausstellungstexte für das größte Projekt des Collegium Bohemicum, die Realisierung eines Museums der deutschsprachigen Bevölkerung in den Böhmischen Ländern, welches in 2012 für die Öffentlichkeit zugänglich sein soll.
Aktuell befasse ich mich mit der Organisation der Jahreskonferenz des Deutsch-tschechischen Gesprächsforums, die im Oktober in Prag stattfinden wird. Auch diese Beschäftigung bietet mir einen Einblick, der bis in die höchsten gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge reicht.
Zentral ist die Arbeit für das Projekt „Die Schulde der Demokratie“, mit dem den Pädagogen an den tschechischen Schulen gerade jetzt, zu Beginn des neuen Schuljahres, die Wichtigkeit der politischen Bildung in der Tschechischen Republik nahe gebracht werden soll. Ich darf mithelfen, dieses spannende Thema durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit und in Vernetzung mit dem Zeitzeugen-Projekt „Geschichte verbindet“ stärker in den Focus der tschechischen Schulen zu rücken.
Alles in Allem bietet das Collegium Bohemicum eine vielschichtige Arbeit, die es mir ermöglicht, in einer recht kurzen Praktikumszeit von nur drei Monaten ganz unterschiedliche Erfahrungen zu sammeln, die mich insbesondere mit Blick auf meine eigene berufliche Perspektive sehr bereichern.
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